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Empfehlungen des Wissenschaftsrats zur Digitalisierung in Lehre und Studium

Der Wissenschaftsrat stellte am 11. Juli 2022 seine aktuellen „Empfehlungen zur Digitalisierung in Lehre und Studium“ vor, an deren Ausarbeitung eine Gruppe von 14 Mitgliedern des Wissenschaftsrats, Vertreter des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und verschiedener Wissenschaftsministerien der Länder, Angehörige von Hochschulpräsidien, Wissenschaftler:innen sowie ein:e Student:in beteiligt waren. An der Vorstellung der Empfehlungen im Rahmen einer Pressekonferenz wirkten neben der Vorsitzenden des Wissenschaftsrats, Professorin Dr. Dorothea Wagner u. a. zwei Wissenschaftler:innen und ein:e studentische:r Vertreter:in des fzs – freier zusammenschluss von student*innenschaften mit.

Rechtswissenschaftlerin Prof. Dr. Nina Dethloff, Universität Bonn, betonte, dass im Nachgang zur Corona-Pandemie eine nachhaltige Digitalisierung im Bildungssektor angestrebt werde. Damit Digitalisierung zu mehr Qualität in der Bildung beitragen könne, müsse jedoch noch einiges geschehen. Die Serviceeinrichtungen an den Hochschulen müssten angemessen ausgestattet werden. Dies hatte jüngst auch eine bundesweite Erhebung von HIS-HE unter Hochschulleitungen bestätigt, derzufolge angesichts steigender Ansprüche an Support und Infrastruktur als zukünftige Anforderung häufig der Ausbau der Supportangebote und der technischen Infrastruktur genannt worden war (Lübcke et al. 2022, S. 56). Lehrräume müssten Dethloff zufolge an die Bedarfe hybrider Lernszenarien angepasst werden. Auch brauche es mehr Forschung zur Digitalisierung der Lehre, deren Ergebnisse hochschulintern bekannt gemacht werden müssten.

Aus der Perspektive der Lehrenden hob Prof. Dr.-Ing. Klaus Diepold von der Fakultät Elektro- und Informationstechnik der Technischen Universität München hervor, dass neue Impulse und methodische Ansätze des Lehrens intensiver erforscht werden müssten. In den „Empfehlungen“ des Wissenschaftsrats werde in diesem Zusammenhang die Bedeutung freier Lehr- und Lernmaterialien (OER) hervorgehoben, die künftig das klassische Lehrbuch ablösen könnten. Digitalisierung werde den Lehrenden allerdings einiges abverlangen. Daher stelle sich die Frage, wie sich dies inzentivieren lasse. Wie könne beispielsweise die Berechnung des Lehrdeputats angepasst werden? Die Bedeutung dieses Aspekts hatte auch HIS-HE im Rahmen seiner Studie „Digitalisierung der Hochschulen“ im Auftrag der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) 2019 ausgiebig hervorgehoben (Gilch et al. 2019, S. 53 f.).

Seitens der Studierenden hob Marie Müller, Student:in der Gender & Queer Studies an der Universität zu Köln, vom fzs hervor, dass gut gemachte Online-Lehre während der Corona-Pandemie positive Resonanz erfahren habe. Entscheidend an digitaler Lehre sei, dass sie gute Lehre sein müsse. Eine Eins-zu-eins-Kopie analoger Lehre reiche nicht aus. Ähnliche Einschätzungen hatten Lehrende und Mitarbeitende von Supporteinrichtungen der Hochschulen im Rahmen der HIS-HE-Studie „Vom Corona-Shutdown zur Blended University?“ geäußert (Seyfeli et al. 2019, S. 52 f.). Auch könne digitale Lehre analoge Lehre nicht in vollem Umfang ersetzen, so Müller. Zudem seien gleiche Zugangschancen zu digitalen Lehrangeboten von zentraler Bedeutung. Beispielsweise habe sich das Wegfallen von Lehrräumen während der Pandemie als problematisch erwiesen. Eine langfristige Förderung digitaler Lehrformate sei von zentraler Bedeutung, denn niemand wünsche sich, dass das Rad ganz wieder zurückgedreht wird.

Vergleichbar der Horizon Scanning-Studie „Higher Education Landscape 2030“ von FiBS und HIS-HE (Orr et al. 2020) werden auch im Papier des Wissenschaftsrats vier Szenarien entworfen, wie sich Hochschulen im Hinblick auf die digitale Lehre entwickeln könnten. Die Wissenschaftsrats-Vorsitzende, Professorin Dr. Dorothea Wagner vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT), betonte, dass Hochschulen sehr unterschiedliche Wege der Digitalisierung in der Lehre beschreiten werden. Viele werden sich auch künftig vorrangig als Präsenzhochschulen verstehen, die aber stärker als bislang digitale Elemente in der Lehre einsetzen wollten. Einzelne Hochschulen würden einen Schwerpunkt der Digitalisierung in bestimmten Berufsfeldern legen. Andere würden eine Vorreiterrolle im Hinblick auf innovative Lehrmethoden einnehmen und eine konsequente Nutzung digitaler Lehrformate unterstützen. Auch eine Online-Fernuniversität mit einem Schwerpunkt im Bereich Weiterbildung sei vorstellbar. Alle Hochschulen müssten jedoch die Chancen der Digitalisierung nutzen, um Studium und Lehre zu verbessern.

Im Hinblick auf die vordringlichste Aufgabe, um die Digitalisierung von Lehre und Studium voranzubringen, plädierte Frau Dethloff dafür, technische Infrastrukturen rasch im Sinne des State of the Art zu erweitern, um dann die enormen Potenziale eines digitalisierten Studiums nutzen zu können. Wie auch Frau Wagner betonte, müsse Lehrenden die erforderliche Unterstützung und der nötige Freiraum geboten und beispielsweise eine Person aus dem Hochschuldidaktik-Bereich zur Seite gestellt werden. Student:in Müller plädierte dafür, dass die didaktische Qualifikation der Lehrenden sowie entsprechende Supportangebote erweitert werden sollten. Es brauche mehr kooperative Entwicklung im Bereich der Hochschullehre. Herr Diepold sprach sich dafür aus, vom bisherigen Angebotssystem bei der Lehre abzugehen und ein Nachfragesystem zu etablieren.

Neben mehreren der erwähnten Publikationen werden in den Empfehlungen des Wissenschaftsrats ausgiebig die Befunde weiterer HIS-HE-Studien herangezogen (Anforderungen und Entwicklungen der Digitalisierung im Hochschulbau, 2020; Corona@Hochschule, 2020; Herausforderungen bei der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes im Kontext der Digitalen Hochschulbildung, 2020; Qualitätsentwicklung für freie Lehr- und Lernmaterialien, 2021). Die differenzierte Erhebung und Analyse der Ausgangslage und die umfassenden Empfehlungen des Wissenschaftsrats, die ein breites Spektrum an Aspekten berühren, lassen sich auf der Website des Wissenschaftsrats nachlesen.


Literaturnachweise

Gilch, Harald; Beise, Anna Sophie; Krempkow, René; Müller, Marko; Stratmann, Friedrich; Wannemacher, Klaus (2019): Digitalisierung der Hochschulen. Ergebnisse einer Schwerpunktstudie für die Expertenkommission Forschung und Innovation. Berlin: Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) 2019 (Studien zum deutschen Innovationssystem Nr. 14-2019). https://hochschulforumdigitalisierung.de/sites/default/files/dateien/HFD_AP_63_Zukunftskonzepte_in_Sicht_Corona_HIS-HE.pdf

Lübcke, Maren; Bosse, Elke; Book, Astrid; Wannemacher, Klaus (2022): Zukunftskonzepte in Sicht? Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die strategische Hochschulentwicklung. Berlin: Hochschulforum Digitalisierung (Arbeitspapier Nr. 63). https://hochschulforumdigitalisierung.de/sites/default/files/dateien/HFD_AP_63_Zukunftskonzepte_in_Sicht_Corona_HIS-HE.pdf

Orr, Dominic; Lübcke, Maren; Schmidt, J. Philipp; Ebner, Markus; Wannemacher, Klaus; Ebner, Martin; Dohmen, Dieter (2020): Higher Education Landscape 2030. A Trend Analysis Based on the AHEAD International Horizon Scanning. Cham: Springer Nature Switzerland (SpringerBriefs in Education). https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2F978-3-030-44897-4.pdf?fbclid=IwAR3fjBkh6ZRFKYcQJaeFFEeJjQu665bUnQfW10d96dXmIWS6v50CYRhj35U

Seyfeli, Funda; Elsner, Laura; Wannemacher, Klaus (2020): Vom Corona-Shutdown zur Blended University? ExpertInnenbefragung Digitales Sommersemester. Baden-Baden: Tectum. https://www.tectum-elibrary.de/10.5771/9783828876484.pdf?download_full_pdf=1

Wissenschaftsrat (2022): Empfehlungen zur Digitalisierung in Lehre und Studium. Köln. DOI: https://doi.org/10.57674/sg3e-wm53


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Dr. Klaus Wannemacher