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Lernarchitekturen

Hochschul-Barometer 2021 – Eine Betrachtung aus der Lehr-Lernflächen-Perspektive

Im Dezember 2021 veröffentlichte der Stifterverband mit Unterstützung der Heinz Nixdorf Stiftung zum zehnten Mal das Hochschul-Barometer, das die Ergebnisse der jährlichen Befragung von Hochschulleitungen zu ihrer Einschätzung der aktuellen Lage der Hochschulen bezüglich drängender Herausforderungen und geplanter Entwicklungen widergibt.

Die aktuelle Ausgabe widmet sich unter anderem der Frage nach den Infrastrukturen für Forschung und Lehre. Und da schauen wir bekanntlich ja gerne etwas genauer hin:

Das Hochschul-Barometer sieht in der Gestaltung neuer Lehr- und Lernräume eine zentrale Herausforderung für die Hochschulen ( – wir auch!). Zukunftsorientierte Lernarchitektur wird in diesem Zusammenhang als „Gestaltung von physischem Raum zur Unterstützung und Ermöglichung innovativer und zukunftsfähiger Hochschulbildung“ definiert. Die bauliche Umsetzung soll sich dabei eng an den Bedürfnissen der Nutzer:innen und pädagogischen Prinzipien orientieren und eine individuelle Gestaltung von Lernarrangements ermöglichen.

So weit so gut, aber wie schätzen die Hochschulleitungen die Lage im Detail ein? Die im Verlauf der Pandemie errungenen Fortschritte im Bereich der digitalen Angebote wollen die Hochschulen in vielen Bereichen erhalten oder weiter vorantreiben. So sollen künftig mehr als ein Drittel (37,1%) der Vorlesungen in digitaler Form angeboten werden. Für Seminare gilt dies in einem Viertel der Fälle (25,1%). Und auch ca. ein Drittel (29,7%) der Bürotätigkeiten in der Hochschulverwaltung sollen in Zukunft weitestgehend digital gestaltet sein. Labortätigkeiten hingegen, werden nach Einschätzung der Hochschulleitungen auch in Zukunft weitestgehend vor Ort stattfinden.

Bezogen auf die Infrastruktur bedeutet das, dass entsprechende digitale tools für Online-Konferenzen und Lehrveranstaltungen, für Lehr- und Lernplattformen, für die Erstellung von Lehrangeboten und für kollaboratives Lernen und Arbeiten zur Verfügung stehen müssen (Zustimmung der Hochschulleitungen zwischen 98,3% und 92,9%). Hier bedarf es technischer Ausstattung wie Videoaufnahme- und Streaming-Geräte (99,4%), digitaler Hardware in Hörsälen (95,5%), aber auch entsprechender Videokonferenzräume und -infrastruktur (95,5%). Nur auf den ersten Blick widersprüchlich erscheint eine breite Forderung nach Lern- und Arbeitsplätzen für Studierende an der Hochschule (94,4%). Kommen diese doch zum Zweck der direkten und persönlichen Kommunikation und Zusammenarbeit an die Hochschule und benötigen somit vor Ort Flächen für Interaktion und Austausch. Auch Kreativräume wie Maker- oder Innovation-Spaces werden nach Einschätzung der Hochschulleitungen in diesem Zusammenhang künftig eine größere Rolle spielen (88,1%).

Insgesamt erwarten 74% der Hochschulen einen Anstieg des Flächenbedarfs in den nächsten 5-10 Jahren, sehen sich aber bei der Bewältigung derselben großen Herausforderungen gegenübergestellt. So klagen mehr als drei Viertel (76,4%) der Hochschulen über nicht ausreichende personelle oder planerische Kapazitäten, um die Aufgaben anzugehen. Fast der Hälfte (47,6%) der Hochschulen fehlt es an Konzepten und Verfahren zur Übersetzung der Bedarfe der Nutzerinnen und Nutzer in Planung und Bau. Fast ebenso viele (45,3%) verfügen über keine Strategie oder Gesamtkonzepte zur Ausstattung mit zukunftsfähigen Lehr- und Lernräumen. Räumliche Einschränkungen (z.B. aufgrund des baulichen Zustands) (64,4%), örtliche Einschränkungen (z.B. aufgrund Bauplatzmangels) (58,2%) und eine mangelnde Zuständigkeit für erforderliche Baumaßnahmen (41,5%) verschärfen die Situation zusätzlich.

Zur Bewältigung der Herausforderungen, die die Zukunft an Forschung und Lehre stellt, sind Investitionen in die Hochschulinfrastruktur notwendig. Hier sehen die Hochschulen mit 18,4 von 100 zu verteilenden Punkten den größten Bedarf bei der Schaffung zusätzlicher Flächen und Räume für Lehre und Lernen. 15,4 Punkte entfallen auf die IT-Infrastruktur und 14,4 Punkte auf zusätzliche Fläche und Räume für die Forschung. Als weitere wichtige Investitionsschwerpunkte werden mit 10,9 Punkten ein Abbau des bestehen Sanierungsbedarfs (z.B. bei bestehenden Lernräumen) und mit 10,8 Punkten die Schaffung von Begegnungsräumen und Treffpunkten für Studierenden an der Hochschule (wie. z.B. Aufenthaltsräume und Cafés) genannt.

Die Ergebnisse des Hochschul-Barometers machen deutlich, dass die Hochschulen die Gelegenheit wahrnehmen wollen, die positiven Nebeneffekte der erfolgten breiten ad-hoc-Digitalisierung für eine zukunftsorientierte Gestaltung von Lehr- und Lernflächen zu nutzen. Hierbei steht vor allem der physische Ort Hochschule als Zentrum von Begegnung und Kommunikation im Mittelpunkt der Bemühungen. Angereichert um digitale Elemente, kann eine Verbindung zwischen virtuellem und physischem Vor-Ort-Lehren und -Lernen geschaffen werden, die neue Ermöglichungsräume eröffnet. Um diese zu verwirklichen bedarf es zum einen kluger Konzepte, aber auch langfristiger Strategien und einer ganzheitlichen Betrachtungsweise. Hier kommt es vor allem auf eine Verknüpfung von Lehr-, Lern-, Digitalisierungs- und weiteren Hochschulstrategien mit den Überlegungen zur baulichen Entwicklung der Hochschulen an. Dabei ist eine 360°-Grad-Sicht auf geplante Vorhaben notwendig, um gegenläufige Bewegungen frühzeitig zu erkennen und Vorhaben in eine Richtung zu lenken, die die Interessen aller (zu beteiligenden!) Stakeholder berücksichtigt. Dies macht die Erstellung zukunftsfähiger Lehr- und Lernflächen tatsächlich zu einer zentralen Herausforderung.

Datenquelle: https://www.hochschul-barometer.de/2021/infrastrukturen


Bildquelle: https://www.hochschul-barometer.de/downloads