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Lehre, Lernen

OER, Qualität und Länderinitiativen

Ein Problem mit vielen Lösungen

Wir haben in diesem Frühjahr Gespräche mit den verschiedenen OER-Länderinitiativen geführt und diese zu ihren Qualitätssicherungskonzepten befragt.

Sehr spannend war das, und interessant zu sehen, dass die Lösungsansätze um diese Herausforderung zu bestreiten doch sehr vielfältig sind. Grundsätzlich kann zunächst mal unterschieden werden, ob wesentliche Aspekte der Qualitätssicherung zentral vorgenommen werden oder ob diese dezentral an die Hochschulen ausgelagert sind bzw. in einer Kombination von beiden durchgeführt werden. Als Instrumente kommen Handreichungen und Checklisten zur Anwendung, Begutachtungen durch feste Redaktionsteams, Community Bewertungen sind in der Regel nur geplant aber noch nicht realisiert. Stattdessen wird mit der Provenienzprüfung sichergestellt, dass das Material von fachlich autorisierten Autor:innen erstellt wurde.

Die Landesportale stellen sich im Detail wie folgt da:

Die Hamburg Open Online University (HOOU) stellt in der Regel geförderte Inhalte auf der Plattform zur Verfügung. Die Ausschreibungen, die Auswahl der Projekte sowie deren enge Begleitung und Beratung erfolgt dezentral an den einzelnen Hochschulen. Eine übergreifend agierende Stelle für das Qualitätsmanagement sorgt jedoch für ein einheitliches Konzept zur Qualitätssicherung angestrebt, das den gesamten Prozess von der Auswahl bis zur Veröffentlichung in den Blick nimmt. Qualifizierungsangebote für HOOU-Mitarbeitende begleiten dies.

ORCA – der Open Resource Campus NRW ist das bislang jüngste Länderportal. Da sich die Plattform erst im Aufbau befindet, befindet sich auch die Qualitätssicherung noch in einem konzeptionellen Stadium. Angedacht ist jedoch der Einsatz eines breiteren Spektrums an Qualitäts­sicherungsinstrumenten. Checklisten für Selbst-Review-Verfahren sollen um Ansätze einer Community-Bewertung ergänzt werden. Das OER-Siegel, mit dem ORCA herausragende Materialien auszeichnen will, soll vor allem für die geförderten Inhalte Anwendung finden, die auch einem Begutachtungsverfahren unterzogen werden.

OER Späti aus Hessen ist ein Vorhaben, das in erster Linie Lernmaterialien für Studierende zur Verfügung stellen will und auf einen komplett dezentralen Ansatz setzt. OER Späti ist deshalb auch nicht als Repositorium, sondern als Referatorium angelegt (im Sinne eines Portals, das Lernmaterialien verzeichnet, die auf anderen Portalen oder Websites hinterlegt sind). Für die Erstellung von OER werden Checklisten und Handreichungen zur Verfügung gestellt; eine Community-Bewertung ist in Planung.

Das zentrale OER-Repositorium der baden-württembergischen Hochschulen ZOERR wird durch ein Redaktionsteam an der Universitätsbibliothek der Universität Tübingen qualitätsgesichert, das die Materialien vor der Veröffentlichung einer Basisbegutachtung unterzieht und vor allem auf formale Qualitätskriterien wie das Vorhandensein wesentlicher Metadaten untersucht. Zudem wird eine Provenienzprüfung vorgenommen, um sicherzustellen, dass die Materialien durch Lehrende mit entsprechender fachlicher Expertise veröffentlicht werden, um so eine durchgängig hohe fachliche Qualität zu gewährleisten.

Das rheinland-pfälzische Portal OER@RLP wird nach einer Pilotphase in der zweiten Jahreshälfte 2021 in die Breite der Hochschulen ausgerollt. Als Ersteller von OER werden nur Personen zugelassen, die an den Hochschulen für die Lehre verantwortlich sind. Die Qualitätssicherung von OER wird konzeptionell als hochschulischer Innovations- und Veränderungsprozess betrachtet, der durch ein hohes Maß an Dialog und Selbstvergewisserung ermöglicht wird und dem die Entwicklung einer OER-Kompetenz zugrunde liegt. Der Aufbau von OER-Kompetenz wird durch begleitende Weiterbildungs- und Unterstützungsmaßnahmen (beispielsweise zur Transformation und Öffnung vorhandener Lehrmaterialien) flankiert.

oer.vhb ist das OER-Portal der Virtuellen Hochschule Bayern (vhb), das sich momentan in der Aufbauphase befindet. Im OER-Portal können Lehrende der Mitgliedshochschulen Lehrmaterialien unter einer offenen Lizenz einstellen, die nicht von der vhb gefördert wurden. Das Material muss in der Regel von professoralen Fachvertretenden bereitgestellt werden; insofern ist für oer.vhb eine Provenienzprüfung vorgesehen. Zur Sicherung der Qualität durchlaufen die Materialien vor der Freigabe einen redaktionellen Basischeck (u. a. Vollständigkeit der Metadaten, Funktion der Inhalte). Zudem werden den Lehrenden Handreichungen zur Verfügung gestellt. Materialien, die die Anforderungen von Lerneinheiten erfüllen erhalten das Label „OER im SMART vhb-Format“. Eine Community-Bewertung ist in Planung.

Für Twillo entwickeln wir gerade ein gestuftes Qualitätssicherungsverfahren, beginnend mit dem Selbstcheck und Handreichungen, dann einer Dialogfunktion und einer besonderen Community-Bewertung. Auch prüfen wir die Möglichkeiten, Redaktionsteams aus engagierten Nutzenden aufzubauen. Das ganze Konzept, so wie die Einordnung in die internationale und nationale Qualitätsdebatte rund um OER haben wir hier – als HIS-HE Forum Hochschulentwicklung – veröffentlicht.


Forum Hochschulentwicklung 2|2021: QUALITÄTSENTWICKLUNG FÜR FREIE LEHR- UND LERNMATERIALIEN


Bildquelle: twillo


Dr. Klaus Wannemacher
Dr. Maren Lübcke