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Lehre, Lernen

Der Studienstart unter Corona – Unsere Studentin im Interview

„Es war auch sehr schön, die Kommilitonen in echt kennenzulernen, das hat uns auf jeden Fall den Start erleichtert.“

Nur einige Wochen sind vergangen, seitdem das – pandemiebedingt endgültig digitale – Wintersemester begonnen hat. Dass der Studieneinstieg für die Erstsemester anders wird, war zu erwarten. Die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten und Konzepte der Ersti-Woche haben meine Kolleginnen Imke Jungermann und Raja Chahboun in ihrem Blogbeitrag bereits beleuchtet.

Mir stellte sich nun die Frage, wie der Studienstart rückblickend verlief und wie es den neuen Studierenden in dieser Zeit erging. Diesen und weiteren Fragen bin ich in einem Interview mit unserer studentischen Mitarbeiterin nachgegangen. Im Interview berichtet Veronika aus ihrer Perspektive als Ersti im Masterstudium, von ihren Erfahrungen im digitalen Wintersemester, dem Hochschulwechsel und der Vereinbarkeit von Studium und Elternschaft.

Liebe Veronika, Du hast in diesem Semester ein Masterstudium am Institut für Soziologie begonnen. Wie war der Studienstart für Dich?

Ja genau, etwa Mitte Oktober hat das Wintersemester begonnen und da wurden wir in einer Kennenlernveranstaltung von der Studiengangsleitung in Präsenz begrüßt und willkommen geheißen. Es war auch sehr schön, die Kommilitonen in echt kennenzulernen, das hat uns auf jeden Fall den Start erleichtert. Dann fanden in den ersten Wochen noch einige Veranstaltungen in Präsenz statt, bis dann ab der dritten Woche alles nur online möglich war. Jetzt sehen wir uns nur digital und kommunizieren nur über digitale Tools.

Gab es bei der Umstellung von Deinen Präsenzveranstaltungen zu den Online-Veranstaltungen gewisse Erschwernisse oder hattest Du das Gefühl, alle waren schon auf eine Umstellung eingestellt?

Zuerst gab es einige Unsicherheiten seitens der Dozenten, welche Software sie verwenden sollen und dürfen. Deshalb war es am Anfang verwirrend und nicht klar, in welchem Seminar welches Tool genutzt wird. Mittlerweile haben sich alle auf eine favorisierte Software festgelegt, aber es gibt immer noch technische Störungen, für die niemand verantwortlich ist. Zum Beispiel musste einmal die ganze Gruppe mitten in der Veranstaltung auf eine andere Software ausweichen, weil das erste ständig abgebrochen war. Und allgemein macht die Technik nicht immer mit: mal ist es die Verbindung weg, mal ist das Headset der Referenten kaputt, gelegentlich fliegen die Teilnehmer einfach so raus.

Hattest Du damit gerechnet, dass Dein erstes Semester digital sein wird?

Eigentlich schon. Ich habe geahnt, dass viele Dozenten digitale Seminare anbieten werden, vor allem diejenigen, die im Sommersemester schon auf digitale Lehre ausweichen mussten. Deshalb haben wir auch beim Umzug in die neue Wohnung im Herbst gleich die allerstärkste Internetverbindung bestellt, die im Moment verfügbar ist.

Du erwähntest schon, dass Du in den ersten zwei Wochen in Präsenz Kontakte zu KommilitonInnen knüpfen konntest. Inwiefern gelingt Dir der Kontakt aktuell?

Nun, wir haben uns zwar in den ersten Wochen ein bisschen kennengelernt, aber nicht ausreichend, dass eine Gruppendynamik entsteht. Es wurde auch eine WhatsApp-Gruppe erstellt, in der immer reger Austausch herrscht und wir uns gegenseitig versuchen zu unterstützen, falls Fragen zum Studium auftauchen. Aber echte Freundschaften kann man nicht in einem Chat schließen, deshalb bleibt die Sozialisierung hier auf der Strecke. Jetzt sehen wir uns ja nur als Teilnehmer der Videokonferenz – kleines Gesicht in einer digitalen Kachel. Die Orte, an denen man sich normalerweise austauscht, auf dem Weg zur Uni, in der Bahn, vor der Tür des Seminarraumes, in der Mensa oder generell auf dem Campus, fallen ja alle weg und das ist sehr schade.

Mit dieser spontanen Unikultur bist Du ja bereits in Deinem Bachelorstudium vertraut geworden. Wie war für Dich der Übergang vom Bachelor zum Master? Gab es organisatorische Probleme, was vor allem den Bewerbungsprozess angeht?

Also mein Bachelorstudium ist jetzt ein Paar Jahre her. Als von Corona noch keine Spur war und deshalb noch komplett in Präsenz. Und dafür, dass ich zunächst gar nicht geplant habe, einen Master zu machen, lief der Bewerbungsprozess sehr unkompliziert und reibungslos ab. Ich musste lediglich alle Unterlagen online hochladen und dann kam ziemlich schnell die Rückmeldung, dass mir der Platz zugesichert wurde. Das war auch sehr hilfreich für meinen Start in diesem Semester. Während der Bewerbungsphase habe ich auch schon Kontakt zu der Studienkoordination aufgenommen und wurde sehr freundlich und ausführlich beraten, sodass ich das Semester frühzeitig planen konnte.

Schön zu hören, dass die Studienberatung in dieser Zeit so behilflich ist. Wie sieht es damit bei den Lehrenden aus, empfindest Du sie genauso engagiert?

Ich habe das Gefühl, dass die Dozenten alles, was in ihrer Macht steht, tun, um uns in dieser Situation zu unterstützen. Wir sind ein kleiner Studiengang, der aber interdisziplinär ist. Das heißt, ich habe Kommilitonen aus den unterschiedlichsten Bachelor-Studiengängen, wie Kulturanthropologie, BWL, Sozialwissenschaften oder Philosophie. Ich selbst habe Kunstwissenschaft und Soziologie in Kassel studiert und habe insofern sowohl einen Fachrichtungswechsel als auch einen Uniwechsel erlebt. An der LUH werden wir bis jetzt gut betreut. Die Lehrenden sind ganz empathisch und motivieren uns, dranzubleiben, das ist manchmal sogar ungewohnt. In jeder Sitzung fragen sie uns, wie es uns geht und wie wir mit der Situation umgehen, betonen, dass alle Fragen gerne gesehen und gehört werden. Allerdings kommt dann eine Unsicherheit auf, wie man denn Kontakt aufnimmt, weil es per Mail deutlich mehr Überwindung kostet, eine vermeintlich blöde Frage zu formulieren. Deshalb wird bei blöden Fragen erstmal im WhatsApp-Gruppenchat gefragt und erst wenn keiner helfen kann, schreibt ein mutiger Student die Lehrkraft an, um uns dann wiederum alle zu informieren. Die Gruppe ist also untereinander auch sehr hilfsbereit.

Würdest Du sagen, die WhatsApp-Gruppe ersetzt in gewisser Weise die Lerngruppen?

Nein, als Lerngruppe würde ich das nicht bezeichnen, eher als Unterstützung für kleine organisatorische Schwierigkeiten. Teilweise ist der Chat sogar während eines Seminars aktiv, dann melden sich die Kommilitonen, die aus der digitalen Sitzung rausgeflogen sind, damit die anderen die Lehrkraft bitten, die Personen wieder in die Konferenz reinzulassen. Oder man wird per WhatsApp darauf hingewiesen, dass bei jemandem das Mikro noch an ist und störendes Rauschen verursacht. Ich versuche trotzdem das Handy während der Sitzung ganz wegzulegen, weil es für mich sonst eine totale Reizüberflutung ist.   

Wie nimmst Du als Master-Ersti das Selbststudium in dieser Zeit wahr? Inwiefern gelingt es Dir, inwiefern nicht?

Dadurch, dass ich gleichzeitig das Studium, meinen Nebenjob und die Familie koordinieren muss, lege ich viel Wert auf Zeitmanagement. Also versuche ich alle Aufgaben ganz genau einzuplanen, um nicht durcheinanderzukommen. Trotzdem ist es schwer, allem gerecht zu werden. Um 7 Uhr morgens erreichen mich die ersten Stud.IP Nachrichten. Das geht den ganzen Tag weiter, bis ich um 22 Uhr das Handy ausmache. Gefühlt bin ich somit den ganzen Tag mit dem Studium beschäftigt, auch wenn ich die Zeit eigentlich anderweitig geplant habe. Also gefühlt permanent Multitasking, was enorm an den Kräften zerrt. Die Sitzungen vor- und nachzubereiten schaffe ich gut am Abend oder am Wochenende. Da versuche ich ganz klar zu strukturieren: Die Nachmittage sind eigentlich für meinen Sohn eingeplant und dann bin ich komplett für ihn da, bis er schlafen geht. Einmal in der Woche habe ich ein Seminar in dieser Zeit, dann sitzt er entweder neben mir und malt oder er hört sich ein Hörbuch in seinem Zimmer an. Er bringt sehr viel Verständnis dafür mit, weil er weiß, wie wichtig mir das Studium ist. Ich bekomme auch viel Unterstützung von meinem Freund; meine Mutter springt auch mal gerne ein. Am Wochenende fällt es mir allerdings schwer, mich von der Familie loszureißen und an den Texten zu arbeiten. Aber auch da hilft es, sich feste Arbeits- und Freizeitphasen einzuplanen und es mit allen abzusprechen, dann fühlt sich auch niemand benachteiligt. Die zweiwöchige Quarantäne allerdings, die wir Anfang November von der Schule verordnet bekamen, war wirklich eine Herausforderung. Wenn so eine Ausnahmesituation eintritt, heißt es nur: Zähne zusammenbeißen und durch (lacht).

Hättest Du konkrete Vorschläge, was die Uni tun könnte, um Euch das Studium während der Corona-Pandemie zu erleichtern? Hast Du ergänzend dazu noch Tipps für andere Studierende und Lehrende?

Auf jeden Fall bitte die Internetkapazität am Campus verbessern, wenn es nur irgendwie möglich ist. Und ich wünschte mir, die Lehrkräfte würden mehr Arbeit in Kleingruppen vorschlagen und auf die digitalen Lernräume hinweisen. Oder sie schlagen vor, uns selbst in Gruppen zu organisieren: ich würde zum Beispiel ein wöchentliches Treffen unter Studierenden sehr schätzen, an dem kein Dozent dabei ist, damit wir uns einfach austauschen können. Und als Tipp kann ich jedem nur raten, sich ein nettes nichtdigitales Hobby zu suchen und draußen Sport zu machen um den Kopf frei zu kriegen. Ich habe zum Beispiel wieder angefangen zu malen und versuche wieder regelmäßiger zu joggen. Allgemein sollte man gerade jetzt nicht den Mut verlieren und vor allem versuchen, optimistisch und positiv zu bleiben.


Bildquelle: Pixabay/Fotocitizen


Funda Seyfeli-Özhizalan