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Lernarchitekturen

HIS-HE meets CODE

Wie könnte die Hochschule der Zukunft räumlich aussehen? In welche Richtung verändern sich Lehr- und Lernsettings, wenn der Fokus der Lehre überwiegend auf der Vermittlung von Kompetenzen und weniger auf der Vermittlung von Faktenwissen liegt? Und welche Rolle spielen dabei Bällebäder? Diese Fragen stellen wir uns schon seit längerem und diese Fragen hat sich wohl auch das Gründungsteam der CODE University mit der Gründung der Hochschule im Jahr 2017 gestellt. Wie es sie beantwortet hat, haben wir uns im Oktober angesehen.

Die Code University of Applied Sciences ist eine private Hochschule, die sich zum Ziel gesetzt hat, digitale Innovationen durch das Zusammenbringen von Kreativität, kritischem Denken, Zusammenarbeit und intrinsisch motiviertem Lernen zu fördern und ihren Studierenden hierfür eine internationale und inklusive Lernumgebung zu bieten. Das an der Code University verfolgte Lehr-/Lernkonzept der Curiosity Driven Education sieht eine selbstgesteuerte, kompetenzorientierte sowie erfahrungs- und projektbasierte Didaktik vor, die die Lernenden in den Mittelpunkt der Hochschule und des Studiums stellt und zu eigenverantwortlichem Lernen abseits von Frontalunterricht motivieren will. Wichtige Elemente sind Lernkonzepte wie Mastery Learning, Flipped Classroom und Peer Learning. Die Wissensvermittlung erfolgt im Kontext interdisziplinärer, realitätsnaher Projekte, die von den Professorinnen und Professoren als Lernbegleitende betreut werden.

Räumlich ist die CODE University angegliedert an die Factory Berlin, einen Community-Space mit Start-Up Campus, Co-Working-Area und Innovation Labs. Hier belegt sie ein eigenes Geschoss und nutzt zusätzlich die Räume der Factory. Dies leistet einerseits der Vernetzung in die Digitalwirtschaft und der Integration in die Tech- und Start-Up-Welt Vorschub und eröffnet den Studierenden andererseits Zugang zu zahlreichen Serviceangeboten wie Tonstudios, Werkbänken und Freizeitangeboten. Auch wird ihnen so ein 24/7 Zugang zu den Räumlichkeiten ermöglicht.

Einrichtungen der Factory Berlin.
Bildquelle: HIS-HE

Das Konzept der Curiosity Driven Education bildet sich auch in der Art, Struktur und Nutzung der Räumlichkeiten vor Ort ab. So findet der Unterricht ausschließlich in Gruppenformaten statt. In allen Seminarräumen sind die Tische dazu in Form von Lerninseln angeordnet. Frontalunterricht gibt es nur im Rahmen von Vorträgen in Kleingruppen, wie z.B. beim Besuch Externer. Die Studierenden werden ermuntert, die Räume ihren Bedürfnissen anzupassen und tun das auch. Die Erfahrung zeigt, dass dies in größeren und offenen Bereichen mit flexiblen Trennwänden und Möbeln eher gelingt. Dabei werden die „schöneren“ Räume stärker nachgefragt als andere. Projektarbeiten finden in Teamräumen statt. In diesen werden von den derzeit angebotenen 3 Studiengängen der Hochschule gemeinsam Arbeiten durchgeführt. Der Raum steht immer 2-3 Teams für die Dauer des jeweiligen Projekts zur Verfügung. Er ist frei gestaltbar, die Nutzung erfolgt nach Absprache zwischen den Teams.

Seminarraum CODE University.
Bildquelle: HIS-HE
Teamraum CODE University.
Bildquelle: HIS-HE
Workshop-Room CODE University.
Bildquelle: HIS-HE

Für die Beschäftigten gibt es keine individuellen Büroräume, auch für den Präsidenten der Hochschule nicht. Stattdessen wird ein großer Teamraum im Sinne eines Co-Working-Space genutzt: es werden keine festen Plätze zugeteilt, in einigen Bereichen gibt es Tische mit festen Monitoren. Das akademische Team sitzt derzeit mit der Verwaltung zusammen. Es gibt einen Stillarbeitsbereich und einen Familienbereich für Beschäftigte und Studierende. Die Studierenden verfügen über einen separaten Stillarbeitsbereich, bei dem es aber gelegentlich bezüglich des Geräuschpegels zu Konflikten kommt. Hier ist derzeit eine räumliche Entzerrung in Planung.

Mitarbeiter-Teamraum CODE University.
Bildquelle: HIS-HE

Eine herausstechende Rolle zu Herstellung einer „internen Öffentlichkeit“ nimmt die Kaffeeküche ein. Diese ist das zentrale Element des Campus und von besonderer Bedeutung für Begegnung und Kommunikation. Sie wird von allen Räumen am intensivsten genutzt. Die Küche bietet eine Bar und einen Essensautomaten, viele Studierende bringen jedoch ihr Essen auch selbst mit. An den Küchenbereich schließen sich Sofas und Kickertische an. Studierende arbeiten hier gemeinsam im Rahmen informeller Treffen und es kommt häufig auch zu Kontakten zwischen den Gruppen. Das soziale Leben steht hier im Vordergrund und so finden abends auch häufig spontane Konzerte am E-Piano statt.

E-Piano in der Kaffeeküche der CODE University.
Bildquelle: HIS-HE
Kaffeeküche CODE University.
Bildquelle: HIS-HE

Obwohl die Digitalisierung der Lehre an der CODE University die tragende Rolle einnimmt, ist auch hier eine (kleine) physische Bibliothek vorhanden. Die Nachfrage nach gedruckten Werken besteht also nach wie vor. Die Bibliothek wird von Studierenden wie Lehrenden als inspirierend empfunden und stark nachgefragt, so dass Überlegungen bestehen, diese weiter auszubauen.

Insbesondere vor dem Hintergrund der Zutrittsbeschränkungen im Zuge der Corona-Krise wurde deutlich, welchen hohen Stellenwert Studierende und Lehrende insgesamt dem physischen Campus beimessen. Dies einerseits angesichts der hohen Berliner Mieten und damit häufig einhergehender beengter Wohnverhältnisse, aber andererseits auch in Bezug auf die sozialen Kontakte, die, nicht nur aber vor allem auch, für die hohe Zahl an ausländischen Studierenden von großer Bedeutung sind. So erwies sich die Weiterentwicklung des Raumkonzeptes bereits in der Vergangenheit als ein Feld mit hoher studentischer Beteiligung und guter Wirkung. Um die Studierenden noch besser in diesen kontinuierlichen Prozess einzubinden, ist derzeit eine Task-Force zum Thema Raum im Aufbau.

Unser Besuch an der CODE hat gezeigt, dass es nützlich ist, neuen Lern- und Lehrkonzepten auch neue Raumkonzepte gegenüber zu stellen und dass Hochschule vor allem für die Studierenden mehr als ein reiner Lernort ist. Das Bällebad konnten wir übrigens nicht ausprobieren, da fand gerade ein Interview statt. Wozu so ein Bällebad alles gut ist…

Bällebad CODE University.
Bildquelle: Florian Grote