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Lehre, Lernen

Experiment hoch 2

Eigentlich muss man das Besondere, das Neue an der gegenwärtigen Situation nicht mehr betonen, auch wenn wir (fast) jeden Beitrag in unserem Blog auf diese Weise einleiten könnten.

In doppelter Hinsicht neu war die Situation für uns, als wir im Rahmen des SIDDATA Projektes Studierendenworkshops planten, um zu schauen, was eigentlich die Ideen von Studierenden für einen digitalen, datengestützten Studienassistenten sind.

Wir wollten – 1. Unbekannte – diese Workshops in Anlehnung an das Design Thinking Format durchführen. Design Thinking ist eine Innovationsmethode, die in einem sehr stark getakteten Verfahren, sehr schnell und viele Ideen generieren will. Dazu ist der physische Raum von enormer Wichtigkeit, es wird mit Pins und Zetteln gearbeitet, in wechselnden Konstellationen sich ständig ausgetauscht, um dann direkt Prototypen für die entwickelten Lösungen vor Ort zu erarbeiten und zu erbasteln. Eines der zentralen Ideen ist die radikale Nutzerzentrierung. Ein spezifisches Problem – die sogenannte Challenge – wird aus der Perspektive des Nutzenden reflektiert und Lösungen werden auf diese Person hin zugeschnitten generiert, um eine hohe Nutzerakzeptanz zu erreichen (HPI 2020).

Für die Durchführung unserer Workshops haben wir im Vorfeld 5 Persona kreiert, die den Student Life Cycle abbilden und damit die Heterogenität heutiger Studierendenschaft reflektieren. Für diese Persona haben wir kurze narrative Beschreibungen angefertigt (je in männlicher und weiblicher Form) und diese den Studierenden dann kurz im Workshop vorgestellt.

Der Workshop selbst fand – 2. Unbekannte – vollständig online in ZOOM statt. In vier Durchläufen mit Studierenden von vier Hochschulen und unterschiedlichsten Studienfächern wurde drei Stunden, die wie im Fluge vergingen, intensiv gearbeitet. Und es hat funktioniert. Sowohl das Format als auch die virtuelle Durchführung. Unsere Erfahrungen dazu in kurzer Zusammenfassung:

  • Mit guter Vorbereitung lässt sich auch ein hoch interaktives Format wie Design Thinking virtuell durchführen. Allerdings haben wir ein paar Tricks und Kniffe dabei gelernt:
    1. Weniger ist Mehr: Die Teilnehmendengröße muss kleiner sein als in Präsenz, da die Gefahr abzuschweifen und nicht alle im Blick zu haben größer ist. Wir fanden 8 Teilnehmende inkl. Moderation sehr angenehm, weil alle sich gegenseitig im Blick haben konnten.
    2. Der Charme des Analogen: Es hilft, wenn man trotz der virtuellen Umgebung an kleinen physischen Übungen festhält. Die in den Warm-Ups vorgesehenen Übungen fanden mit realen Gegenständen statt. Für die Teilnehmenden ist das sehr angenehm, bei 3 Stunden virtuellem Workshop auch etwas direkt mit Papier oder Sonstigem erarbeiten zu können und nicht alles virtuell. Auch sind selbstgemalte Schilder, mechanische Glocken u. ä. eine nette Abwechslung.
    3. Immer wieder Neu: Breakout Rooms helfen, die Dynamik während solcher Workshops hoch zu halten, insbesondere wenn in ständig wechselnden Konstellationen diskutiert und gearbeitet wird. In der üblichen Hauptsession kommt eine fruchtbare Diskussionsrunde, auch unter der Obhut der Moderation, oftmals zu kurz.

Interessant und überraschend war für uns auch, dass für einen Großteil der Studierenden ein virtueller Workshop eine neue Erfahrung war. Viele hatten das Corona-Semester vor allem in asynchronen Formaten erlebt und waren das erste Mal Teilnehmende an einem online Workshop. Und wie die aktuellen Entwicklungen zeigen, vermutlich auch nicht das letzte Mal.


SIDDATA Webseite: https://www.siddata.de/

Mehr zum Design Thinking Format: HPI (2020): What is design thinking?

Bildquelle: Eigene Darstellung